Wir werden in den Monaten Mai, Juni, Juli eine Vortragsreihe veranstalten und zwar jim Gebäude 40B der Otto-von Guericke- Universität Magdeburg, Zschokkestr. 32. Grob gesagt soll es um den Wert sowie das Denken der ihm ausgelieferten und ihn doch gleichzeitig durch ihr Handeln und Denken generierenden Subjekte gehen. Unsere Referenten werden Martin Dornis und Micha Böhme aus Leipzig sein. Beide sind Redakteure der wertkritischen Zeitschrift EXIT!, haben aber auch schon einige Beiträge zur kritischen Theoriebildung im Leipziger CEE IEH veröffentlicht. Martin Dornis z.B. hat im Märzheft einen Text über den Zusammenhang von wertförmiger Vergesellschaftung und Ideologien des Todes, wie sie sich z.B. bei islamistischen Selbstmordattentätern offenbaren, veröffentlicht.
Darum soll es uns aber hier nicht gehen. Unsere Einschätzung ist, daß in Magdeburg bisher so gut wie keine gesellschaftskritische Theoriebildung stattgefunden hat, wenn man mal von den Veranstaltungen der AG Emanzipative Antifaschisten und des Antifa Info Portal (AIP) im letzten Jahr absieht. Deshalb werden unsere Veranstaltungen auch auf die Grundlagen der neueren kritischen Theorie eingehen. Es geht uns also darum, diese Inhalte einem breiten Publikum vorzustellen, auch wenn wir uns bewußt sind, daß es immer eine Gefahr für den kritischen Gehalt kritischer Theorie ist, wenn sie so aufbereitet wird, daß sie leicht verständlich ist. Die gesellschaftlichen Verhältnisse der warenproduzierenden Gesellschaft sind alles andere als einfach, sie sind in sich widersprüchlich, „verrückt“, wie Marx das genannt hat und gerade die „Analyse[der Ware] ergibt, daß sie ein sehr vertracktes Ding ist, voll metaphysischer Spitzfindigkeit und theologischer Mucken.“(Kapital, Band I) . Wir haben mit der Vortragsreihe nichts Geringeres vor, als Verrücktes zu erklären. Und wir wissen, daß unsere Referenten dazu in der Lage sind. Gerade weil sie verstanden haben, daß Verhältnisse, die auf der Warenform basieren, nur mit der Einsicht verstanden werden können, daß sie nicht zu verstehen sind.
1. Veranstaltung: Der Wert und das Patriarchat
Termin: Donnerstag, 08.05., 19 Uhr, G40B-331
In der ersten Veranstaltung soll auf grundlegende Begriffe und Kategorien des marxschen Hauptwerks eingegangen werden: Was heißt es für die Menschen, dass der Reichtum dieser Gesellschaft in der Form von Privateigentum erscheint, als Waren, die einen Wert haben? Was bedeutet es für eine Gesellschaft, dass in ihr das Verhältnis der Menschen als ein Verhältnis von Dingen, von Waren, erscheint? Wieso ist Geld der gesellschaftliche Zusammenhang, den die Einzelnen in der Tasche mit sich tragen? Und was bedeutet das für die derart zusammenhängenden Menschen? Welche Rolle spielt dabei der Staat? Und welche das Patriarchat, also die Herrschaft von Männern über Frauen?
2.Veranstaltung: Die gewaltförmige Subjektbildung
Termin: Donnerstag, 12.06., 19 Uhr, G40B-331
Wie beschreibt die Psychoanalyse Freuds die Subjektbildung und was kann dies für Gesellschaftskritik bedeuten? Freud als Theoretiker der gewaltförmigen Subjektbildung übte selber Gewalt aus, indem er die Frau als negativen Abstoßungspunkt für die Beschreibung der männlichen Subjektbildung nutzte. Eine Auseinandersetzung mit Freuds Weiblichkeitsbild zeigt, dass seine Konzeption vom Subjekt eines weiteren Aufklärungsvorgangs bedarf. Freud kann hier exemplarisch für die Aufklärung stehen.
3. Veranstaltung: Was ist Ideologie?
Termin: Donnerstag, 03.07., 19 Uhr, G40B-331
Neuer Termin: Mittwoch, 09.07.2008, 18.30 Uhr in Gebäude 40 der Universität, Raum wird noch bekanntgegeben
Die kapitalistische Gesellschaft ist untrennbar mit Ideologien verbunden, die ihr Wesen zugleich offenbaren und verschleiern. Gesellschaftskritik muss daher immer auch Ideologiekritik sein. Aber einige Ideologien, wie der Rassismus, der Sexismus und der Antisemitismus, rechtfertigen nicht nur diese Gesellschaft, sondern entfalten darüber hinaus ein Gewaltpotential, welche den normalen Kapitalismus bei weitem übersteigt. Wie kann in Anbetracht dessen eine angemessene Ideologiekritik aussehen?
Finanziell gefördert wird die Reihe von den Studierendenräten der Otto-von-Guericke-Universität und der Hochschule Magdeburg-Stendal sowie von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle bedanken.



